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Wie können Jugendliche Demokratie und demokratische Werte erlernen und als Erfahrung erleben? Wie können demokratische Strukturen und Praktiken in der Arbeit mit Jugendlichen umgesetzt werden? 

Dies sind beispielhafte Fragen, mit denen sich das Feld der Jugenddemokratiebildung beschäftigt. Ziel ist dabei unter anderem die Entfaltung von Selbstbestimmung und die verantwortungsvolle Mitgestaltung der Gesellschaft. Oder auch:

Demokratiebildung beschreibt „Bildung, Ausbildung, Bewusstseinsbildung, Information, Praktiken und Aktivitäten, deren Ziel es ist, Lernende durch die Vermittlung von Wissen, Kompetenzen und Verständnis sowie der Entwicklung ihrer Einstellungen und ihres Verhaltens zu befähigen, ihre demokratischen Rechte und Pflichten in der Gesellschaft wahrzunehmen und zu verteidigen, den Wert von Vielfalt zu schätzen und im demokratischen Leben eine aktive Rolle zu übernehmen, in der Absicht, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit zu fördern und zu bewahren“.

„Charta zur Politischen Bildung und Menschenrechtsbildung“, Europarat 2010

Es geht also darum

  • eine offene Diskussionskultur zu erlernen; 
  • Toleranz gegenüber anderen Meinungen, Lebensformen und Lebensrealitäten zu stärken;
  • zu Kompromissen und zur Akzeptanz mehrheitlicher Entscheidungen bei Wahrung von Minderheitenrechten und rechtsstaatlichen Prinzipien zu befähigen. 

Kurzum: Voraussetzungen zu schaffen, um Demokratie zu verwirklichen und zu (er-) leben.

Wie kann das konkret aussehen?

Die Idee

Mit dieser Frage beschäftigte sich Nico Markert, Student der Sozialen Arbeit, in seiner Bachelorthesis. Er untersuchte die Wirkung der Mitarbeit als Peermentor:in in einem Projekt der Jugenddemokratiebildung. Ein:e Peermentor:in ist eine Person aus der Peer-Group (zumeist gleichaltrige Personen), die auf einer Schulung aufbauende anderen aus der Gruppe bestimmte Inhalte und Kompetenzen vermittelt. Selbstbestimmung und Empowenment gelten als Grundprinzipien dieses Ansatzes; ebenso ein gleichberechtigter Austausch auf Augenhöhe. 

Das Projekt

Das SKJR-Kooperationsprojekt „Tugendvogel“ beschäftigt sich mit demokratischen Tugenden. Mehrere Jugendliche zwischen 15 und 18 Jahren sollen eine Ausbildung zu Demokratiementor:innen erhalten. In der Ausbildung soll zusätzlich ein Piloten-Koffer entwickelt werden, mit dem die Demokratiementor:innen anschließend Workshops an Schulen, in Vereinen, Jugendhäusern oder an jedem anderen beliebigen Treffpunkt von Kindern und Jugendlichen anbieten. Ziel dieser Workshops ist es, über Rechte aufzuklären sowie demokratische Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten zu vermitteln. Die Mentor:innen thematisieren auch das Thema Vielfalt und dessen Zusammenhang mit Demokratie. 

Aufgrund der Covid-19 Pandemie konnten die Workshops allerdings nicht wie geplant stattfinden. Das Team überlegte sich einen Plan B und plante eine Online-Kampagne. Von Ende April bis Ende Juli 2020 erstellten sie 40 Beiträge mit über 100 sogenannten Sharepics (geteilte Bilder), in denen verschiedene Werte in den Blick genommen wurden. Die Kampagne findest du auf Instagram.

Das Ziel des Projektes – Ausbildung der Jugendlichen und Entwicklung eines Piloten-Koffers – wird nach wie vor verfolgt. Zentrales Element des Koffers ist ein Kartenspiel, das sich mit dem Grundgesetz und den darin erhaltenen Werten beschäftigt. Die Jugendlichen arbeiten momentan fleißig daran.

Das Ergebnis

Nico Markert hat den Prozess begleitet und die Jugendlichen zum Projekt befragt. Es zeigte sich klar, dass das Interesse an Politik stieg – entscheidend dabei war der non-formale Aspekte, also das Auseinandersetzen mit Aspekten, die man nicht aus dem Politikunterricht kennt, und das Diskutieren, Erfahren und Ausprobieren. Alle Jugendlichen fühlten sich besser informiert und die intensive Beschäftigung mit demokratischen Tugenden schärfte ihr Verständnis von Demokratie.

Einigkeit bestand außerdem darin, dass es aktuell zu wenig formale Beteiligungsformate für Jugendliche gibt. Es sei wichtig und notwendig, dass sich junge Menschen an Demokratie und demokratischen Prozessen beteiligen können und dass dafür entsprechende Formate geschaffen werden. 

Nico Markert bringt es auf den Punkt: „Das Entscheidende im Projekt ist das Ernstnehmen der Jugendlichen, mit all ihren Fragen, Anregungen und Visionen, ohne sie auf ihre Jugend zu reduzieren.“  Gemeinsam in den Austausch zu gehen und voneinander zu lernen – dies ist nicht nur zentrales Element des Projekts „Tugendvogel“, sondern auch einer Demokratie.

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